Lesung mit Herrn Gauck

60 Jahre Kindernothilfe und der Arbeitskreis Berlin feierte mit!

 

Ein Bundespräsident a.D. im Wohnzimmer

Es ist die 35. Lesung, die Waltraud und Wolfgang Schönebeck in ihrem Wohnzimmer
ausrichten. Und zu diesem Jubiläum können die ehrenamtlichen Mitglieder des
Berliner Arbeitskreises der Kindernothilfe besondere Gäste begrüßen: Joachim
Gauck und Daniela Schadt. Der  ehemalige Bundespräsident Deutschlands war eine der prägenden
Persönlichkeiten der jüngsten deutschen Geschichte.

Es herrscht eine routinierte Betriebsamkeit bei Schönebecks, zwei Stunden bevor die
Ankunft von Herrn Gauck angekündigt ist. Letzte Stühle werden gerückt, Gläser
bereitgestellt, köstliche Snacks für die Gäste vorbereitet. "Wir stoßen mit der heutigen
Veranstaltung an unsere Kapazitätsgrenzen", sagt Wolfgang Schönebeck. "60 Plätze können
wir anbieten, mussten aber leider auch weiteren Interessenten absagen." Das Interesse an
der Veranstaltung ist natürlich groß, wann hat man schon mal die Gelegenheit, einen
Bundespräsidenten a.D. so nah zu erleben!

Langsam trudeln die Gäste ein, erwartungsfroh suchen sie sich ihre Plätze und tauschen
sich aus. Viele kennen sich bereits von vorherigen Lesungen, sind Stammgäste der Salon-
Lesungen in gemütlicher Atmosphäre. Als Joachim Gauck und Daniela Schadt dann eintreffen, kann man die Spannung greifen: Es ist still, er bahnt sich seinen Weg durchs Wohnzimmer und nimmt Platz am Stehtisch, wo er lesen wird. Seine Präsenz könnte den Raum allein ausfüllen.
Wolfgang Schönebeck leitet ein, verknüpft die ehrenamtliche Tätigkeit für die Kindernothilfe
mit Themen, für die die Kinderrechtsorganisation steht, und berichtet von dem Projekt der Teepflücker-Kinder in Sri Lanka, für das heute in Form von Eintrittsgeldern Spenden gesammelt werden. Insbesondere das große ehrenamtliche Engagement hat es Gauck angetan: "Für gewöhnlich kann ich gar nicht allen Anfragen, die an mich herangetragen werden, nachkommen. Aber das Engagement, welches hier reingesteckt wird, ist aller Ehren wert. Daher freue ich mich
besonders auf diese Lesung im privaten Kreis."

Wie war es gelungen, den Bundespräsidenten a.D. für die Lesung im privaten Wohnzimmer zu gewinnen? Waltraud Schönebeck erinnert sich: "Es war mein Geburtstag und mein Mann hatte eine Generalprobe mit seinem Chor. Da habe ich mir ein Alternativprogramm gesucht. Gemeinsam mit einer Freundin war ich bei einer Veranstaltung des Brandenburgischen Dorfkirchensommers in Buckow bei Nennhausen, einer Lesung mit Joachim Gauck." Vor Beginn der Veranstaltung ergab sich die Gelegenheit, Herrn Gauck und Frau Schadt anzusprechen: "Könnten Sie sich vorstellen, eine solche Lesung zugunsten der Kindernothilfe bei uns zu Hause im Wohnzimmer zu machen?" Antwort: " Ja, warum nicht." Dann wurde ein Termin gesucht,  was nicht ganz einfach war, aber es hat geklappt.

Über eineinhalb Stunden nimmt sich Gauck Zeit. Er liest aus seinem Buch "Winter im
Sommer - Frühling im Herbst" und erzählt auch frei zu Themen, die ihn seit seiner Kindheit
in Mecklenburg-Vorpommern begleitet haben, nimmt die Menschen mit in eine Zeit, als
Deutschland noch geteilt war. Er ist dabei absolut nahbar, freundlich und humorvoll, geht auf
Fragen ein und nimmt sich im Anschluss viel Zeit für die Gäste.

Ein beeindruckender Gast, der durch seine Lesung auch das herausragende Engagement
des ehrenamtlichen Berliner Arbeitskreises würdigt. Joachim Gauck und Daniela Stadt  verlassen  das Haus, nicht ohne sich nochmal ausdrücklich zu bedanken: "Was für ein toller und privater Abend!"